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Das Stichwort “Schule” weckt gemischte Gefühle, sowohl bei Erwachsenen, die zurück blicken als auch bei Schülern/innen, die gerade mitten drin stecken. Und ich – mittlerweile über 40 – bin immer noch in der Schule, jetzt allerdings mit Freude, weil ich mein Fach liebe: den Religionsunterricht!

Ich weiß: er ist umstritten. Manche würden ihn sofort abschaffen, wenn sie könnten. Einige halten ihn für ein Indoktrinationsinstrument der christlichen Kirchen. Andere halten Religion generell für einen groben Unfug. Beides aber kann mit guten Gründen bestritten werden. Gegen den ersten Verdacht lese man das Papier der → EKD, Religionsunterricht. 10 Thesen des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der zweite Verdacht wird wohl befeuert durch Unmengen an religiös deklarierten Unsinnigkeiten und Gräueltaten, doch ist ein verallgemeinernder Rückschluss von diesen Auswüchsen auf ein – vermutetes – “generelles Wesen” der Religion nicht zulässig. Auch die Technik hat Schrecklichkeiten generiert, ohne dass jemand den Nutzen derselben in Frage stellen würde. So schnell und einfach sollte man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, zumal jetzt neuerdings der Forschungszweig → Kognitive Religionswissenschaften eine neue Perspektive auf diesen Themenkreis eröffnet.

Vor allem aber eröffnet der Religionsunterricht im schulischen Kontext einen Raum, in dem existentielle Fragen verhandelt werden, die im schulischen Fächerkanon sonst nirgends Platz finden. J. Baumert, der PISA-Erfinder, spricht von vier Weltzugängen: naturwissenschaftlich, musisch, normativ-abwägend – und schließlich, viertens, nennt er„die Fragen des Ultimaten – also Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des menschlichen Lebens“, Sinnfragen, religiöse Fragen (zit. → J. Baumert, Deutschland im internationalen Bildungsvergleich, S.7). Solide Bildung muss alle vier Weltzugänge bearbeiten; und letzterer hat nun mal seinen Platz vor allem im Religionsunterricht.

Broschüren:

anderes:

(Zur allgemeinen Wahrnehmung der generellen pädagogischen Situation vgl. X. Naidoo/Curse, Wenn ich schon Kinder hätte [2002])

 

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